Edelrid Ohm Sicherungsgerät im Test mit Sofie & Steffi Paulus

Edelrid Ohm Sicherungsgerät im Test mit Sofie & Steffi Paulus

20. September 2018 0 Von Anna Schefczik

Das Ohm von Edelrid – Klettern trotz großem Gewichtsunterschied und das ganz ohne lästigen Sandsack und Zickzackclip 

Was ist das Besondere? 

Ein großer Gewichtsunterschied zwischen Kletterpartnern birgt ein hohes Gefahrenrisiko, da es häufig zu Kollisionsunfällen zwischen Kletterndem und Sicherndem kommt und der Sichernde sogar die Kontrolle über das Sicherungsgerät verlieren kann. Um das Klettern von unterschiedlich schweren Personen trotzdem zu ermöglichen, gab es die Möglichkeit den Sichernden mit Sandsack am Boden zu verankern oder einen Zickzackclip zu installieren. Beides erfinderische Lösungsansätze, allerdings alles andere als zufriedenstellend, wenn man am Fels unterwegs ist und an seinem Leistungslimit klettern möchte. Eine neue Errungenschaft auf diesem Gebiet kann hier das von Edelrid entwickelte Ohm darstellen.

Wer oder was steckt dahinter?

Das Ohm, das sich größenmäßig auf den ersten Blick kaum von einer Expressschlinge unterscheidet, stellt einen vorgeschalteten Widerstand dar, der mit der Expressschlinge im ersten Haken der Sicherungskette installiert wird und zur Unterstützung eines vorhandenen und richtig bedienten Sicherungsgerät eingesetzt wird. Es ist dabei gleichgültig, ob das Ohm in ein Glied der bereits hängenden ersten Exe gehängt wird oder direkt in den ersten Haken am Fels. Verläuft das Seil durch das Edelrid Ohm, wird die Seilreibung erhöht. Im Fall eines Sturzes kommt es zu einer Bremswirkung und die Seilreibung wird soweit erhöht, dass ein leichter Sicherer den schwereren Kletterer ohne Probleme halten kann. Nach DAV-Empfehlung sollte das Gewicht Kletterers nicht das 1,3- fache Gewicht des Sichernden überschreiten, dank Ohm sollen laut Edelrid Gewichtsunterschiede bis zu 100 Prozent des eigenen Körpergewichts des Sichernden kompensiert werden.

Wie war das Produkt im Einsatz?

Wir haben das Ganze sowohl in der Halle als auch am Fels mit einer Seildicke von 9,5 Millimetern getestet. Dabei waren wir immer im Vorstieg unterwegs und haben Gewichtsunterschiede und Sturzhöhen variiert. Einem umfassenden Test wurde das Ohm in einem einwöchigen Felsurlaub untergezogen, bei dem ich das doppelte Gewicht meiner Kletterpartnerin hatte. Eine Konstellation, die keinesfalls mehr im Rahmen der DAV- Empfehlung liegt. Das Sicherungsgerät Edelrid Ohm hat es jedoch möglich gemacht, dass wir uns beide sicher gefühlt haben und ich bereit war an meinem Leistungslimit zu projektieren und einige Stürze in Kauf zu nehmen.

Wofür ist es besonders gut geeignet?

Es ist unserer Meinung besonders als Unterstützung beim Hallenklettern und Sportklettern am Fels geeignet. Bei einem relativ geraden Routenverlauf konnte wir keine Probleme mit dem Seilverlauf feststellen und der geringe Mehraufwand der Installation des Geräts ist durch das Plus an Komfort und Sicherheit gerechtfertigt. Allerdings kann es bei unruhigen Seilverläufen durch die zusätzliche Seilreibung auch störend wirken. Da die Seilreibung in manchen Touren von vornherein recht hoch ist, lohnt es sich abzuwägen, ob der Einsatz des Ohm in diesen tatsächlich sinnvoll ist.

Was hat uns am Ohm gefallen? Was nicht?

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass das Handling des Ohm nach zwei, dreimaliger Anwendung intuitiv ist, wenn man auf ein paar Hinweise achtet. Wichtig ist, dass das Seil richtig eingelegt wird, oberhalb des Ohms kein Schlappseil entsteht und man beim Abbauen immer als erstes das Bremsseil herausnimmt, da es sonst zu einer schmerzhaften Erfahrung für die Finger des Sichernden werden kann…

Für uns ist das Ohm auf jeden Fall eine gute Idee, um das Problem des Gewichtsunterschieds bei Kletterpartnern zu lösen. Ein großes Plus ist natürlich erstmal, dass es ohne deutlichen Mehraufwand überhaupt das Klettern mit deutlichem Gewichtsunterschied möglich macht und sowohl den Kletterer als auch Sicherer sicher fühlen lässt. Dies macht sich nicht nur beim Klettern, sondern auch beim Ablassen bemerkbar. Die relativ intuitive Bedienungsweise konnte bei uns ebenfalls punkten. Abstriche muss man dagegen teils beim dynamischen Sichern machen, da es durch die zusätzliche Seilreibung mal zu härteren Stürzen kommen kann und bei unruhigen Seilverläufen vermehrter Seilzug auftreten kann. Allerdings kann man bei solchen Routen auf die Anwendung des Ohms verzichten. Ein weiteres Manko kann das hohe Eigengewicht darstellen. Allerdings wird man dieses an der ersten Fixierung ja auch wieder los.

Alles in allem sehen wir in der Sicherungshilfe von Edelrid, dem Ohm eine lohnende Investition für alle, die mit größeren Gewichtsunterschieden in der Halle und am Fels, vor allem in kürzeren Boulderrouten unterwegs sein wollen, da es Unfallrisiko deutlich reduzieren kann.